Nein zum Wehrdienst!

An verschiedenen Schulen der Dortmunder Nordstadt sind im Januar Tapten mit Parolen gegen Krieg und Militarismus aufgetaucht. Grund dafür sind die Fragebögen zum Wehrdienst, die diesen Monat in den Briefkästen junger Menschen ankommen.

In den Fragebögen werden junge Männer dazu gezwungen, Angaben über ihre körperliche Verfassung, Qualifikationen sowie mögliches Interesse an der Bundeswehr zu machen.
Jene jungen Männer, die der Kriegspropaganda glauben und denken, ihr Dienst würde auch nur im Geringsten zur Sicherung von Frieden und Freiheit beitragen, sollen genaue Angaben zu ihrem Interesse an der Bundeswehr machen. Dabei sollen sie ihr Interesse an den verschiedenen Einsatzbereichen, wie dem Heer, der Luftwaffe, der Marine oder dem Unterstützungsbereich angeben. Anschließend folgen Fragen zur möglichen Dauer
des Dienstes, sowie zum nächstmöglichen Zeitpunkt, diesen anzutreten. Die Fragebögen dienen also einer Umfassenden Übersicht darüber, wie viele Wehrfähige junge Menschen zunächst freiwillig den Wehrdienst ableisten würden. Wer sich
verweigert, diese Fragen zu beantworten, wird mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 Euro bestraft.


Nach der Auswertung der Bögen wird zunächst geprüft, ob es genügend freiwillige Menschen gibt, die sich der Bundeswehr anschließen. Trifft dies nicht ein, ist damit zu rechnen, dass es Zwangsrekrutierungen geben wird. Konkret würde das bedeuten, dass unsere Freunde, Brüder oder Söhne im Zweifel zum Dienst an der Waffe gezwungen werden. Damit zeigt sich der Fragebogen als ein scheindemokratischer Akt, der den
kommenden Zwang zur Waffe durch zuvor vermeintliche Zwangslosigkeit legitimieren soll.

Die Befragungen sind gut vorbereitet. Spätestens seit dem erneuten Angriff Russlands auf die Ukraine und den damit einhergehenden Kriegsverbrechen inszenieren die
bürgerlichen Medien einen Zustand, der sich nur wenig mit der Realität auseinandersetzt. In der Ukraine herrscht ein furchtbarer Krieg, bei dem die angegriffene Ukraine trotz aller Waffenlieferungen seit mindestens drei Jahren kaum nennenswerte Landgewinne verzeichnen konnte – im Gegenteil sogar: Russland erkämpft sich Kilometer für Kilometer immer mehr Land. Der Kampfgeist der Soldaten schwindet und
die Zivilbevölkerung, die es nicht geschafft hat zu fliehen, leidet täglich unter den Bombardements und Raketenschlägen Russlands. Während eine diplomatische Lösung
des Konflikts also als einzig realistische Lösung erscheint, zeichnen die Medien ein Bild von einem drohenden großen europäischen Krieg, von dem wir uns einschüchtern
lassen sollen. Wer sich eine friedliche Lösung wünscht, findet im öffentlichen Diskurs kaum einen Platz. Stattdessen soll uns eingebläut werden, dass die Investitionen in Militär, die Einsparungen im sozialen und die Zwangsrekrutierung notwendige Übel seien.


Dabei sind die Kürzungen Teil eines ökonomischen Zwangs. Wer in Armut lebt und Schwierigkeiten bei der Jobsuche hat, der wird mit einem erhöhten Soldatensold zum Wehrdienst gedrängt. Organisiert man sich gegen diese Entwicklungen, muss man harte
Repressionen erwarten. Gegen solche Widerstande hat die Bundeswehr bereits vorgesorgt. Seit dem 1. April 2025 besteht die Heimatschutzdivision, welche eine verstärkte Kooperation mit der Polizei gegen zivilen Protest vorsieht. Ihr unterliegen die
sogenannten Heimatschutzregimenter, die sich auf die sechs größten Bundesländer aufteilen.


Für uns bedeutet die Militarisierung nicht nur starkere Repressionen, die vor allem uns Linke treffen. Die Militarisierung bedeutet allen voran eine weitere Verschlechterung des
Lebens in Deutschland. Parallel zum Abbau des Sozialstaats ist auch mit einem großen Rückschritt in der Geschlechterpolitik zu rechnen. Neben Männern leiden vor allem Frauen unter dem maskulinen Militarismus. Er belebt alte Rollenbilder, macht Männer zu starken, und Frauen zu schwachen Bürgerinnen. Während Männer auf Kosten ihres Lebens heldenhaft in den Krieg der herrschenden Klasse ziehen sollen, sollen Frauen ihre Ansprüche auf Gleichheit vergessen und ihre emanzipatorischen Erfolge der Unterstützung der Heimatfront unterordnen. Wird es ernst, dann sollen sie neue Soldaten gebären und noch mehr unbezahlte Arbeit leisten. Artet der Krieg aus sind es vor allem sie, die unter Vergewaltigungen, Prostitution und Gewalt leiden werden. Der Militarismus in Europa und auf der ganzen Welt zeigt sich als eine rückschrittliche Entwicklung, bei der die herrschende Klasse ihre Macht stabilisiert. Auf Kosten unserer Zukunft und unserer Sicherheit wird ein Krieg immer weiter provoziert, bei dem uns jegliches Stimmrecht, ja sogar Widerstand, genommen wird. Vor allem für junge Menschen bedeutet dieser Militarismus einen massiven Einschnitt in ihr Leben. Anstatt in die Ausbildung oder das Studium zu starten, neue Freundinnen zu knüpfen und das Leben als junger Erwachsener zu leben, müssen sie sich auf Kaserne und Schießstand einstellen.


Daher sagen wir nein zum Wehrdienst und wir sagen nein zum Krieg. Als Linke müssen wir uns der Bedrohungslage durch die Kriege dieser Erde bewusst werden. Egal ob Südamerika, der Mittlere Osten, Afrika oder Osteuropa. Auf der ganzen Welt werden unsere Bruder und Schwestern an die Waffe gezwungen.
Sie sollen die Interessen der herrschenden Klasse verteidigen und sich dafür in den Tod stürzen.