Am Morgen des 28. Februar starteten Israel und die USA einen neuen Krieg gegen Iran, diesmal unter dem Namen „Operation Epic Fury“.
Nach monatelangen massiven Truppenbewegungen in den Nahen Osten scheint die US-Armee für einen wochenlangen Krieg gegen den Iran bereit (und Israel scheint dazu bereit, seine Zivilbevölkerung zu opfern).
Ähnlich wie Putin in der Ukraine ging Trump wohl von einem schnellen Regime Change aus, doch zunehmend entwickelt sich der Angriff auch für die Amerikaner zur Farce: man erwartete massive Gegenschläge auf Israel, stattdessen sehen sich die Golfstaaten sowie die dort stationierten US-Basen dem Großteil der iranischen Luftschläge ausgesetzt.
Auch der immense Verbrauch teurer Abfangraketen scheint nicht vorhergesehen worden zu sein, denn Experten zufolge könnten die Lagerbestände bereits in den nächsten Tagen knapp werden.
Noch am Vortag der Attacke wurde versucht, einen Deal auszuhandeln, der die Abgabe des angereicherten Uran sowie des ballistischen Arsenals des Iran beinhaltet, was diesen in seinem imperialen Handlungsspielraum als Regionalmacht stark eingeschränkt hätte.
Das ist jedoch nur einer der vielen Gründe, weshalb die USA und ihr treuster Vasall Israel gerade jetzt zum Angriff blasen.
Ein anderer Erklärungsversuch ist von ungeahnt globaler Bedeutung, denn weiterhin sehen die Amerikaner eine ganz andere Macht als ihren größten Feind: China.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese die USA wirtschaftlich überholen und damit auch den amerikanischen Herrschaftsanspruch über die ganze Welt infragestellen. Und genau diese Zeit versucht man sich in Washington zu erkaufen, beispielsweise indem man den chinesischen Einfluss in Venezuela, Panama oder Iran zurückdrängt.
Besonders brisant ist der Wettlauf in Sachen technologischer Innovation. Zwar sind die USA federführend auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz, allerdings können ihnen Engpässe in zwei Aspekten diesen Vorsprung gegenüber China zunichte machen: zum Einen die unverzichtbaren Seltenen Erden, über die China beinahe über ein Monopol verfügt und somit auch die Amerikaner an der kurzen Leine halten kann (möglicherweise hilft ihnen der Klimawandel auf Grönland aus der Patsche), zum Anderen ist da der enorme Energiebedarf für Rechenzentren, der schon jetzt die Strompreise in den USA treibt.
Diesen KI-Energiehunger (zusätzlich zum gigantischen Energiebedarf für die allgemein wachsende Wirtschaft) hat natürlich auch China.
Daraus ergibt sich ein großes Problem Chinas, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten unter anderem aus drei Staaten: Russland, Venezuela und Iran. Hier kommen die amerikanischen Militäraktionen ins Spiel: wie in Venezuela ist ihnen nicht so wichtig, das Öl selber zu nutzen, sondern die Kontrolle über den Treibstoff des öknomischen Erfolgs ihrer Feinde zu erhalten.
Da auch China selbst diese Gefahr sieht, war man in den vergangenen Wochen anscheinend bemüht, der iranischen Führung mit Luftverteidigungssystemen sowie mit Geheimdienstinformationen eine bessere Position im Falle eines Angriffs zu verschaffen. Angesichts der weitgehenden Lufthoheit der angreifenden Luftwaffen scheint das vorerst gescheitert.
Anders als China, das ausschließlich seine kapitalistischen Interessen zu verteidigen versucht, sollten wir als revolutionäre Sozialisten nicht den Fehler machen, das gleichermaßen kapitalistische und theokratische Regime zu unterstützen, das gleiche Regime, das bereits nach der Islamischen Revolution tausende unserer Genossen ermordete und das auch heute noch tut. Allerdings wäre es genauso fatal, eine Marionette der USA und Israels wie es Reza Pahlavi ist, zu unterstützen. Denn auch sein Vater war schon bekannt für die Unterdrückung und Prekarisierung der iranischen Bevölkerung.
Stattdessen müssen wir erkennen, dass imperialistische Kriege im Kapitalismus ein beliebtes Instrument zur wirtschaftlichen Schwächung konkurrierender Supermächte sind und dies auch ein Aspekt des gegenwärtigen Iran-Kriegs ist.
Unsere Alternative muss sein, die sozialistische Bewegung in Iran zu unterstützen, die versucht echte Befreiung von unten herbeizuführen.
