Am 29. Mai geht es für uns auf die Demo vom offenen Antifa-Treffen Dortmund. Gemeinsam werden wir zeigen, dass Dortmund keinen Platz für einen „Nazikiez“ hat.
Über die letzten Jahre ist die Naziszene in Dorstfeld zunehmend instabil geworden. Wichtige Persönlichkeiten haben den Kampf um Dortmund aufgegeben und sind in den Osten geflohen. Währenddessen schafft es die verbleibende Naziszene kaum, mehr als zwei Dutzend Leute zu ihren offenen Abenden in der Thusneldastraße zu bekommen. Die wenigen Besucher schleichen sich dann über Umwege an den Kundgebungen vorbei in die Kneipe.
Die offenen Abende sind dabei Teil eines Raumkampfes, bei dem sich Dorstfeld durch die Schaffung eines öffentlichen rechten Raums zu einer national befreiten Zone entwickeln soll. Über Jugendkultur, Sticker und Kampfsport versucht man vornehmlich junge Männer dazu zu bewegen, einer menschenverachtenden Ideologie zu folgen. Insofern dienen die monatlichen Treffen dem Versuch, eine politische Hegemonie zu erlangen, die bei näherer Betrachtung weder Inhalt noch Kampfkraft aufweist.
Zu den nennenswerteren Strukturen, die sich in der Thusneldastraße angesiedelt haben, zählen neben dem Neonazi-Lifestyle-Magazin „N.S. Heute“ von Sascha Krolzig auch die lokale Niederlassung der Kleinstpartei „Die Heimat“. Die Partei, die aus zwei älteren Parteien zusammengekratzt wurde, galt lange Zeit als eine der wichtigsten rechtsradikalen Parteien Deutschlands. Für weite Teile der Neonazi-Szene gilt sie heute immer noch als organisatorische Struktur, und das, obwohl sich die Partei im Verfall befindet. Neben schwindender Unterstützung und verpatzten Wahlen steht der Verkauf der Berliner Parteizentrale symbolisch für das Ableben der Partei.
Das Ende der Heimat spiegelt jedoch nicht das Ende der Naziszene, sondern die Neuordnung der rechten Parteienorganisation. Angesichts der faschistischen Kräfte um Björn Höcke oder den Dortmunder Matthias Helferich wirkt „Die Heimat“ in Konkurrenz zur AfD zunehmend bedeutungslos. Statt einer eigenen erfolgreichen Partei erscheint die Naziszene zunehmend als identitätspolitisches Vorfeld der radikalen rechten Hegemonie in Deutschland. Über soziale Medien, Jugendkultur und offene Abende versucht die Naziszene, gesellschaftliche Stimmungen aufzugreifen und für sich zu instrumentalisieren. Immer mehr Jugendliche radikalisieren sich im Internet und drohen, an die rechten Rattenfänger verloren zu gehen.
Heute erscheint die Dorstfelder Naziszene durchaus weniger gewalttätig und offensiv als noch vor einigen Jahren. Auch der Raumkampf um den Dortmunder Stadtteil ist zusehends passiver geworden. Doch auch wenn die Dortmunder Naziszene nicht mehr so bedrohlich erscheint wie sie es lange Zeit war, so dürfen wir als Antifaschistinnen und Antifaschisten nicht den Fehler machen, vom Ende des Nazi-Kiez zu sprechen. Immer wieder spielen Medien und Polizei, aber auch linke Gruppen, die Nazistrukturen in Dortmund herunter. Doch wir erleben, trotz der Krise in der Thusneldastraße, einen historischen Rechtsruck in allen Bevölkerungsschichten und Klassen. Und immer noch gilt Dorstfeld als ein Vernetzungsort – auch wenn er kleiner geworden ist. Daraus dürfen wir nicht schließen, den Kampf aufzugeben, sondern weiterzukämpfen bis auch der letzte Nazi aussteigt oder wegzieht.
